DUM NR. 88

THEMA: NACHT - Schlaf & Vogel
Mit: Harald Vogl - Interview * Johanna Wurzinger * Daniela Dangl * Jörg Kleemann * Gerhard Benigni * Sofie Steinfest * Isabella Breier * Werner Stangl * Manuela Kurt * Annemarie Regensburger * Christian Schwetz * Gudrun Breyer * Martin Peichl * Juta Tanzer * Helmut Schmid * Wolfgang Nöckler * Hanna Reiner * Marcus Fischer * Markus Grundtner * Eva Maria Wagner * Harald Kappel * Sigune Schnabel * Brigitte Thurner * Julian Stockinger * flimmern.fischen

Rezensionen: Andrea Winkler - Die Frau auf meiner Schulter * Verena Stauffer - Orchis * Gabriele Petricek - Die Unerreichbarkeit von Innsbruck

Zeichnungen: Eckholz, Nikolai Estis

Preis: EUR 3,30.- (EUR 5.- außerhalb Österreichs)
Förder-Abo (4 Ausgaben): EUR 13.- (EUR 20.- außerhalb Österreichs)
Bestellung: Online, per E-Mail (dummail@gmx.at) oder unter 0664 / 4327973.


DUM-Interview: "SPÄTSTARTER & SPRACHSPIELER" mit Harald Vogl



Leseproben aus DUM 88:


NACH T KOMMT U
(Gerhard Benigni)

U1. U2. U3. U4. Letzteres gar von STS besungen. Schwarze Lippen. Grüne Haare. Heutzutage Massenware. Damals hatte man noch Angst davor. Als Steirer aus Fürstenfeld. U wie unterwegs. In der Disco. In der Großstadt. In der Nacht. U wie unheimlich. U wie Unterweger. Auch sehr unheimlich. Beklemmende Gefühle. Beinahe wie beim Gedanken an den Besuch beim U wie Urologen. Jetzt nur keine U wie Untergriffe. Noch keine 50. Ich. Er schon. Peter Urini. Welch verkacktes Wortspiel. Saumäßig ausgeschlachtet. Ur aufgeführt hat er sich deshalb. Den Tod hätte er mir am liebsten gewünscht. Und mich Ratte zum Teufel gejagt. Doch bei Einbruch der Dunkelheit kein irrer Traum. Versöhnt mit Turrini. Aus Liebe zur Literatur. Jedem das Seine. Und mir im Schlaf.

Von wegen. Hellwach war ich. Eine Gedankenflut. Viel klarer als Wasser in holländischen Gebirgsbächlein. Wie es dahinplätschert. U wie unaufhaltsam. Bis es denn mündet in den Florenzstrom. Arno dazumal. Erbaut. Die U wie Uffizien. Äußerst inuffizient. Nächstes U herab. U wie Ungeziefer. Schon fleucht es wieder. Ein großes Krabbeln. Hier und da. Das hat seinen Juckreiz. Aber auch ausgereizt. Zeit, andere Töne anzuschlagen. U wie Ukulele. Das klingt gleich viel freundlicher.
...



WAND
(Annemarie Regensburger)

Wenn d an dia
dunkle Wand
kimmsch
kannsch
entweder
darvoar
zueche liegn
oder
oubm drüber springen
oder
mittlt durch giahn



DER PAPAGEI
(Helmut Schmid)

"Es ist ein außergewöhnliches Tier", sagte der Zoohändler und deutete auf einen grün-gelb gefiederten Papagei. "Außergewöhnlich intelligent und außergewöhnlich sprachbegabt. Sie werden Ihre Freude mit ihm haben."
Ich hatte eigentlich vorgehabt, einen Hamster zu kaufen, aber der Verkäufer hatte mich mit penetranter Beharrlichkeit davon abgebracht. "Was kann Ihnen denn ein Hamster bieten? Rennt den ganzen Tag im Laufrad und scheißt den Käfig voll. Dieses Prachtexemplar" - er deutete wieder auf den Papagei - "bietet Ihnen etwas ganz anderes: Geselligkeit, Kommunikation. Wer redet denn heute noch mit einem? Da ist ein sprachbegabter Papagei genau das Richtige."
Der Papagei machte einen gepflegten Eindruck. Die Federn glänzten und die Krallen sahen gesund aus. Mit seinen dunklen Knopfaugen betrachtete er mich, als wolle er ausloten, ob ich für ihn ein adäquater Gesprächspartner sein könnte. "Und außerdem", begann der Verkäufer wieder, "haben Sie einen Partner fürs Leben. Diese Spezies wird bis zu 80 Jahre alt."
Es endete damit, dass ich mit einem großen Käfig, in dem der Vogel saß, die Zoohandlung verließ, während die Hamster sich weiter im Rad drehten. Es kam mir vor wie die Metapher auf ein neues Leben.
...



SCHLUMMERNOTIZ I
(Eva Maria Wagner)

ich habe gestern nacht
das große schlaflos gezogen
die gratulanten standen spalier
so waren sterne, der mond und
ein spanischer stier darunter
vier filzpatschen, zwei traummädchen,
und ein wollenes schaf, das losgezogen
war, um zaunkönigin zu werden



NACH DER LANDUNG
(Martin Peichl)

Beim IKEA-Kasten-Zusammenschrauben und Zusammenhämmern und Aufstellen darüber nachgedacht, warum ich keine Kinder will, eine Liste erstellt mit Namen, die ich meinen nicht vorhandenen Kindern auf keinen Fall geben würde, eine lange Liste, während ich mit dem Hammer die Nägel ins Holz treibe, während ich mit dem Schraubenzieher in der einen und einer halbleeren Bierdose in der anderen Hand beim Fenster rausschaue, schon wieder Regen, und ich frage mich, wann ich angefangen habe, aus dem Fenster zu schauen, über 30 Jahre lang war ich kein Aus-dem-Fenster-Schauer und jetzt fange ich auf einmal an damit, habe nie verstanden, warum mein Vater in der Nacht oft lange am Fenster gestanden ist, was er da gesucht hat, will ich wissen.
Ich mache mir ein neues Bier auf, ich baue die Schubladen zusammen, schraube sie in den Kasten hinein, fluche, weil mir die Schrauben aus den Fingern rutschen, mehr Schubladen für die Dinge, die sich angesammelt haben, die irgendwann in meinen Besitz gewandert sind, finde beim Herumräumen ein Foto, das du mir geschenkt hast, ein Foto der Kosmonautin Walentina Tereschkowa, die erste Frau im Weltraum, die einzige Frau in der Raumfahrtgeschichte, die alleine und ohne männliche Begleitung geflogen ist, zwei Tage, 22 Stunden und 50 Minuten. Ihr Funkrufname: Möwe. Eine Möwe im Weltraum, hast du auf die Rückseite des Fotos geschrieben.



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