©E.Kern
ES HERBSTLT ...

Wolfgang Kühn interviewt: Harald Jöllinger
Mehr als zehn Mal durften wir in DUM bereits Texte von Harald Jöllinger abdrucken. Im Frühjahr ist nun bei Kremayr & Scheriau der Titel "Marillen & Sauerkraut" erschienen. Wolfgang Kühn hat dem Autor ein paar Fragen gestellt:


DUM: "Marillen & Sauerkraut" - ein schöner Titel, das klingt wie "süß & sauer" - wie bist Du darauf gekommen, diesen Band so zu nennen?

Zunächst hab ich einen kleinen Text namens "Marillen & Sauerkraut" geschrieben. Den wollte ich als Scharniertext zwischen dem schönen Marillenteil und dem grauslichen Sauerkrautteil des Erzählbandes einbauen. Und die Lektorin, dafür sind Lektorinnen ja da, hat mir diesen Text rausgestrichen. Jetzt ist nur der Titel geblieben. Und wenn wer wissen will, ob es diesen "Marillen & Sauerkraut"-Text auch irgendwo zu lesen gibt, dann sag ich: Ja, aber ich verrate nicht wo.

DUM: Wie ist es zu diesem Buch gekommen? Hast Du dem Verlag ein paar Geschichten geschickt oder ist man auf Dich zugegangen?

Ich hab immer wieder Geschichten an Verlage geschickt. Meistens gar keine Antwort, sonst Absagen. Dann hat Gustav Ernst meinen "Gummibaumdschungel" in der kolik abgedruckt. Und Tanja Raich vom Verlag hat das gelesen und gefragt, ob ich mehr solche Geschichten hab. Hab ich gehabt und schon zwei oder drei Jahre später ist dieses Büchel erschienen.

DUM: "Gschupfte und grantige Gschichtn" lauter der Untertitel des Buches, ein Bier trinkender Harald Jöllinger als Autorenfoto - da wird schon ein wenig mit dem Qualtinger-Image kokettiert. Wie siehst Du das?

Tschuldigung, aber in dem Fall ist die Frage falsch. Auf dem Tisch des Autorenfotos sind drei Getränke. Ein Apfelsaft für den Fotografen, ein Kaffee für den Assistenten und ein G'spritzter für mich. Nix mit Bier. (Der Interviewer hatte das halbvolle Autorenglas tatsächlich für ein Seiterl gehalten)
Und der Qualtinger. Mit dem bin ich so oft verglichen worden. Das war ein ganz ein Grosser. Jeder Vergleich mit ihm ehrt mich.

DUM: Die Geschichte "Das Marillenzeug vom Ferdl", quasi der Opener des Bandes, durften wir auch schon in DUM abdrucken. Die Szene mit den zwei Schnecken ist großartig. Wie kommt der Harald Jöllinger auf so etwas?

Ja, die Sache hab ich, glaub ich, 2017 geschrieben, das weiss ich noch. Da war ich im Sommer bei einem VHS-Kurs in Favoriten. Die Silvia Waltl hat ihre Schreibvorschläge gemacht, aber alle Teilnehmer haben nur über Schnecken geschrieben. Und dann bin ich heim gefahren. Und draussen unglaublich heiß. Und unten in den U-Bahnschächten noch heisser. Hölle. Hab ich mich oben auf eine Bank gesetzt und etwas getrunken. Setzt sich so ein Typ zu mir und erzählt: er hat eine Villa mit 400m², fährt einen Porsche, kann in zehn Minuten nach Mödling rennen etc. In Wirklichkeit hat er eine Dose Bier getrunken und über das Handy nach einer Übernachtungsmöglichkeit gesucht. Hab ich mir gedacht, ich schreib einen Text über einen noch verrückteren Aufschneider. So war das.

DUM: Was ist die liebste Jahreszeit des Harald Jöllinger und wieso?

Eindeutig der Herbst. Im Winter arschkalt, im Sommer sauheiss und im Frühling die depperten Pollen. Nebel und Nieselregen, das mag ich.

DUM: Würde man, was natürlich nicht zulässig ist, von den Figuren Harald Jöllingers einen Rückschluss auf den Autor ziehen, dann würde der in etwa "Loßt's mi in Ruah!" lauten. Wie kann man in einer Zeit der literarischen Selbstvermarktung da überhaupt bestehen?

Was heisst bestehen? Wer sagt denn, dass ich bestehe? Hie und da ein Text in einer Literaturzeitschrift. Und vielleicht noch ... Wir werden sehen.

DUM: Was macht Harald Jöllinger, wenn er nicht gerade schreibt?

Dann denk ich nach, was ich beim endgültigen Scheitern mache. Weil richtiges Scheitern will überlegt sein.

DUM: Im Band "auftauchen - Neue Literatur aus NÖ" macht der Protagonist in Deiner Geschichte "Der Sommer zu heiß" einen Ausflug nach Berndorf in Niederösterreich. Könnte sich Harald Jöllinger vorstellen, auf Dauer am Land zu leben? Beispielsweise im Waldviertel? Wieso bzw. wieso nicht?

Niederösterreich ist kein Problem. Ich wohn ja im Bezirk Mödling. Wenn ich nach Wien will, steig ich in die Badner und fahr hin. Aber nach Berndorf komm ich kaum. Da hat mich wirklich eine Eva mit dem Auto mitgenommen. Ich hab keinen Führerschein. Und das Waldviertel? Da fährt vielleicht ein Postbus am Freitag. Ja, die Erdäpfel sind wirklich gut im Waldviertel. Aber nur die Erdäpfel ...

DUM: Das Fotoshooting für den obig genannten Band fand auf einem Friedhof statt. Wieso hast Du Dich für diesen Ort entschieden?

Nein, ich hab den Schedifkaplatz vorgeschlagen. Weil dort überall die Bahnen fahren, ich hab mir gedacht als Fotohintergrund die Schienen. Die Fotografin hat gesagt, dass das Licht nicht stimmt. Drum haben wir die Fotos dann am Friedhof gemacht. Dort war das Licht besser. Überhaupt Friedhöfe: Hunde sind verboten und die Menschen sind zwar eher unterirdisch, aber vorbildlich ruhig.

DUM: Harald Jöllinger ist auf die kürzere Form spezialisiert, von Miniaturen angefangen bis zu unterschiedlich langen Kurzgeschichten. Ist ein Roman auch einmal ein Thema?

Ja, es liegt auch ein Schädelroman in der Schublade. Und ein Verlag? Und was ist ein Schädelroman? Erstens weiss ich nix und was ich weiss, verrat ich nicht.

DUM: Und abschließend - wo trinkt Harald Jöllinger am liebsten sein Bier?

Was heisst wo? Bier kann man überall trinken. Auch im Waldviertel. Und fast jederzeit. Ausser in der Früh. Da trink ich Kaffee. Aber sonst gerne ein Bier. Wo auch immer.

DUM: Prost und vielen Dank für das Interview!


PS: Der Autor verwendet bewusst "ss" statt "ß"!


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