WIE MAN LEBEN SOLL

AUTOR: THOMAS GLAVINIC
REZENSION: WOLFGANG KÜHN
Selten so gelacht, seit ich Sue Townsends Pubertätsklassiker "The secret diary of Adrian Mole" zur Seite gelegt habe, all those years ago. Hochachtung vor Thomas Glavinic, der nach seinem vielgerühmten Glauser-Krimipreis-gekrönten Roman "Der Kameramörder" nicht ein zweites Mal ausschlachtenderweise auf dasselbe Pferd gesetzt hat.

Nachdem uns Wolf Haas mit seinen Du-Brenner-Du-Kriminalromanen einen anderen ungewohnten Erzählstil vertraut gemacht hat, wagt Thomas Glavinic den nächsten Coup: das allseits verpönte, weil unpersönliche "man" begleitet uns auf 238 Seiten durch die außergewöhnliche und zugleich banale Existenz der tragisch-komischen Hauptfigur Charlie Kolostrum. Man mag meinen, Glavinic hat aus unser aller "secret diary" geklaut, wenn er seinen Charlie durch "das erste Mal", durch Matura und Führerschein holpern und stolpern lässt.

"Wie man leben soll" - ein gelungener Seitenhieb auf die wunderbare Welt der Lebensratgeber: sich nicht zu viel bewegen, einfach treiben lassen. Take it easy! Es geht immer irgendwie weiter. Alles wird gut! Irgendwie. Von selbst. Merke: Thomas Glavinic hat nach "Carl Haffner? Liebe zum Unentschieden" und "Der Kameramörder" seinen dritten ganz großen Roman abgeliefert. Man darf gespannt sein, was da noch kommen wird ...

Thomas Glavinic, Wie man leben soll, dtv München 2004, ISBN 3-423-24392-9


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