UND AM ENDE STEHLEN WIR ZITRONEN

AUTORIN: EVA LUGBAUER
REZENSION: Wolfgang Kühn
It's better to burn out than to fade away. Diese Songzeile aus einem Neil Young Klassiker schwebt unausgesprochen über dem Debütroman der 1985 in Niederösterreich geborenen Autorin Eva Lugbauer.

Der Roman beginnt in der Provinz und er beginnt harmlos. Die knapp sechsundzwanzigjährige Erlinger Isa fadisiert sich am Polterabend einer besseren Bekannten und fühlt sich völlig fehl am Platz. Das Verteilen von Peniskeksen und der Besuch eines Sexshops, dazu jede Menge Alkohol - Isa täuscht Übelkeit vor und verlässt das Gelage vorzeitig. Am Nachhauseweg macht sie einem Abstecher zum Teich in der Nähe ihres Wohnorts Unterfichten. Auf ihrer Lieblingsbank sitzt eine ältere, ihr unbekannte Frau, mit der Isa ins Gespräch kommt. Am nächsten Tag ist die Frau, die Haller Hilda, tot, Selbstmord, sich im Teich ertränkt, Isa vermutlich der letzte Mensch, der sie lebend gesehen hat. Sie beginnt sich für die Tote, die als Außenseiterin in Unterfichten gegolten hat, zu interessieren, und lernt eines Tages deren Nichte Zora kennen, mit der sie gemeinsam das Haus der Toten entrümpelt. Isa erfährt durch Zora von Lou, der Tochter der Toten, die vor zehn Jahren unter mysteriösen Umständen zu Tode gekommen war. Isa erinnert Zora nicht nur optisch an ihre Cousine und ehemals beste Freundin.

In die Rolle der Toten

Isa, die als "Kindergartentante" in Unterfichten lebt und mit ihrem Freund Martin am besten Weg zur Dreifaltigkeit "Hausbau, Hochzeit & bürgerliches Leben" scheint, ist fasziniert von der geheimnisvollen Lou und ihrem unbändigen Drang nach Freiheit. Je mehr sie über Lou erfährt, umso mehr erkennt sie ihre eigene Sehnsucht nach deren Leben und die Kluft dazwischen. Dank Zora, die in Wien lebt und nur gelegentlich das Haus ihrer verstorbenen Tante besucht, gelingt es Isa, Unterfichten den Rücken zu kehren. Sie kündigt ihren Job und verlässt ihren Freund Martin, nachdem sie ihn mehrmals betrogen hat. In Wien schlüpft Isa vollends in die Rolle der toten Lou, trägt ihren Namen, ihre Kleider und übernimmt ihren exzessiven Lebensstil. Einem Liebhaber gegenüber tritt sie als Dichterin Lou auf, die in Rom lebt und nur gelegentlich in Wien zu Besuch ist. Isa fällt immer mehr ins Bodenlose und verwirft sich mit ihrer gesamten Umgebung, bevor sie sich endlich auf die Reise ins gelobte Rom macht.

Eva Lugbauer hat einen beeindruckenden Roman geschrieben über das Verglühen als Alternative zum Verblassen. Sehr poetisch und musikalisch, ironisch und nachdenklich gleichermaßen. Wien - Rom - Klagenfurt - Undine - die Andeutungen sind mannigfaltig, da muss der Name der großen Ingeborg Bachmann im Buch gar nicht explizit erwähnt werden. Das ist lustig das ist schön das ist das Zugrundegehn! Und auch Konrad Bayer schwebt unausgesprochen über diesem Roman.

EVA LUGBAUER. UND AM ENDE STEHLEN WIR ZITRONEN. Verlag Wortreich. 2018. ISBN 978-3-903091-41-2.


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