SPRECHKNOTEN

SLAMMERINNEN: MIEZE MEDUSA & MARKUS KÖHLE
REZENSION: KATHRIN KUNA
Ja, hier kommt Köhle gleich im Doppelpack. Nicht nur rezensionstechnisch in dieser DUM-Ausgabe, sondern hier mit seiner kongenialen Partnerin, Mieze Medusa. Der regelmäßige rhiz Poetry Slam-Besucher kennt sie ja schon. Wer bis jetzt noch keine Zeit oder Gelegenheit hatte das rhiz mittwochs heimzusuchen, kann hier Versäumtes nach- und aufholen. Aber auch die unter euch, die zwischen den monatlichen Mittwoch-Slam-Sessions an schweren Entzugserscheinungen leiden oder sich nicht mehr mühsamst durch Sich-selbst-vorlesen über die Wochen retten wollen - euch allen sei zu folgender CD geraten: Sprechknoten.

Es handelt sich um ein 1,1 Stunden Textgepäck des Poetry-Slam-Dream-Team, in handliche 5-Minuten-Portiönchen geschnürt - wie auf der Beschreibung auf dem CD-Cover zu lesen ist. Als lyrisch-politisch-witziges Programm werden uns die 21 Nummern präsentiert, bei denen es sich um eine Live-Aufnahme des textstrom-Specials im Wiener rhiz am 12. April 2006 handelt.

Poetisch, intelligent und sinnlich

Mieze Medusa könnte der Grund sein, warum ich mich dann doch noch mal mit Hip Hop intensiver auseinandersetze. Poetisch und intelligent, und aufgrund ihrer unglaublich sinnlichen Stimme einfach wunderschön, sind die von ihr auf dieser CD in sanftem Rap vorgetragenen Nummern, die einen sämtliche Goldkettenträgersexisten-Vorurteile vergessen lassen. Man taucht beim Anhören in einen ganz anderen Lebensrhythmus ein.

Köhle besticht abermals mit seinen lustig-frivolen Stabreimstücken, wie zum Beispiel dem selbst als vegetarisches Sprechstück anmoderierten Text Fruchtfleisch oder Orgien-Ode und Dany & Danone. Und wie es sich anhört, wenn Markus Köhle Sprachlosigkeit intoniert, sollte man unter gar keinen Umständen verpassen. Dass sich die beiden in all ihren Gemeinsamkeiten doch auch sehr unterschiedlichen Sprechknoten-Künstler abwechseln, ist sehr erfrischend und hält den Zuhörergeist wach und bis zum Ende bei Laune.

Tochter eines Bergvolks

Ich bin die Tochter eines Bergvolks, ich glaube an Seilschaften (Mieze Medusa) ist mit Abstand der schönste und versöhnlichste Satz der ganzen CD und gleichzeitig einzeiliges Paradigma des Sprechprogramms: wir lernen hier vielschichtige, nuancenreiche, verspielte und kunstvolle Wortgebäude kennen, in denen sowohl sozial- als auch selbstkritische Beobachtungen wohnen. Intonierte Sprachminiaturen, vertonte Stadtportraits und Zeitsplitter. Ich weiß nicht, ob das, was ich spür, Talent ist, oder ein Magengeschwür. Es muss Talent sein!

Bestens geeignet zum Gemeinsam-Anhören oder Weiterempfehlen und auch Weiterschenken. An LiteraturwissenschaftlerInnen und GermanistInnen, die sich mal ihrer Denkknoten entledigen und zum Spaß an der Freude und der Sprache zurückfinden müssen, ebenso wie an Langzeitlebensabschnittspartner oder solche, die gerade dabei sind welche zu werden. Aber eigentlich helfen diese Texte auch gegen Liebeskummer, Großstadtfinsternis, Landpartien und Erbsündenübelkeit, Langeweile, Ideenlosigkeit, Lahmarschigkeit oder Hyperaktivität, Verknotungen und Verwirrungen. So ziemlich gegen alles und jeden. Und auch für mehr dafür als dagegen.

Gewitzt & unverkrampft

Noch nie war Hörtraining so gewitzt. Sprechknoten waren noch nie so unverkrampft. Und Gedankenschleifen schon lange nicht mehr so angenehm. Viel Hörvergnügen!

MIEZE MEDUSA & MARKUS KÖHLE. SPRECHKNOTEN. Spoken word, performance & slam poetry. Sisyphus, 2007. ISBN 3-90196037-6


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