SPIEL MIT MIR

AUTORIN: FRANZISKA GERSTENBERG
Rezension von Kathrin Kuna
Es handelt sich nicht um eine Neuerscheinung. Und es ist ein komischer Zufall, dass mir dieses alte Rezensionsexemplar just jetzt in die Hände fällt. Das Thema Krieg hat zu auffallend vielen Einsendungen über kriegerische Liebesbeziehungen geführt - oder halt über solche, in denen dieser sogenannte Rosenkrieg von den ersten Küssen an begraben zu liegen scheint. Ingeborg Bachmann hatte recht, als sie schrieb, dass die Wurzeln des politischen bzw. historischen Phänomens des Faschismus im Privaten, ganz ursprünglich im Umgang der Geschlechter miteinander zu finden sind. Im "Franza-Fragment" heißt es:

... wo fängt der Faschismus an. Er fängt nicht mit den ersten Bomben, die geworfen werden, er fängt nicht an mit dem Terror, über den man schreiben kann, in jeder Zeitung. Er fängt an in Beziehungen zwischen Menschen. Der Faschismus ist das erste in einer Beziehung zwischen einem Mann und einer Frau, und ich habe versucht zu sagen in diesem Kapitel, hier in dieser Gesellschaft ist immer Krieg. (...)

Meine Gedanken haben mich zu Ingeborg Bachmann geführt. Sicherlich nicht Franziska Gerstenberg. Was sie erzählt schafft Unwohlsein, spielt aber viel mehr mit einer vermeintlichen Empathie und dem üblichen Voyeurismus. Abwechselnd wird in einzelnen Kapiteln die Geschichte eines Pärchens mit Neigung zu ausgefallenen Sexualpraktiken und Liebesspielen parallel zu der des fetten Einsiedlers mit Interesse an Kindern aufgebaut. Kleine kriegerische Handlungen im Alltag, die subtil verletzen. Unbehaglich ist die Geschichte, ebenso das Ende. Dabei geht es aber nie wirklich an den Kern, also auf jeden Fall nicht mehr als die Verfilmung von Fifty Shades of Grey ...

FRANZISKA GERSTENBERG. SPIEL MIT MIR. Schöffling & Co. 2012. ISBN: 978-3-89561-342-5



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