KIND IM NEBEL

AUTORIN: SARAH MARIA LEJEUNE
REZENSION: ERIKA WURZENRAINER
Kinder sind sie und Eis essen sie. Träume haben sie erfunden und Träume haben sie gefunden. Gespräche haben sie geführt und sie haben sich Bücher vorgelesen.

Zwar klingt der Umschlagtext wie eine adaptierte Version vom Leiden Jesu Christi oder wie eines der beiden benachbarten Verbrecher, damit ist aber keineswegs schon alles gesagt, riechen doch am Cover unter Umständen auch religiöse Ichthyologen interessante Lunte.

Wie "Forelle blau" für den Haubenkoch

Diverse Leidensbeschreibungen auf mentaler Ebene erfordern großes (größtes) Fingerspitzengefühl. Wie umzugehen sei mit den Worten die einem (erlebten oder nicht erlebten) Gefühl eine Tiefe geben sollen ist, wahrlich, ich sage euch, wie die "Forelle blau" für den Haubenkoch von nebenan: schwierig. Älter werden sie und ihre Wege gehen sie und wie das mit Wegen so ist, kreuzen sie sich eines Tages. Er, ein prominenter Schriftsteller, sie, eine (dazu überredete) Journalistin für emaillierte Kleinkunst, treffen sich zu einem Interview.

Während sich die Handlung des Buches zur Mitte schiebt, fokussieren sich auch die Gefühle Richtung Mittelpunkt und verschlingen sich für meinen Geschmack ein wenig zu sehr selbst. Verschlingen und reproduzieren über Seiten. Der Roman bildet eine absolute Einheit, daher rate ich davon ab, Ausschnitte zu lesen um sich einen Überblick zu verschaffen. Bei dieser Art Text ist dieses schlicht nicht möglich, außerdem geht von einer zuweilen doch recht verkitschten Sprache ein Wirrlicht aus, das, aus dem Zusammenhang gerissen, leicht zum Irrlicht werden kann. Philosophisches immer mit Verständnis für einen Sinn dahinter, daher ist die opulent aufgetragene Sprache keine Camouflage für eine bereits verendete Geschichte.

Anschluss an Gefühle nicht verloren

Möglich dass ich nach der Hälfte des Textes ein wenig Durchhaltevermögen nötig hatte und möglich dass bei der einen oder anderen Satzwahl sich meine Augenbrauen (völlig selbständig) ein wenig prüfend hoben ob ebendieser. So wie bei Ihnen vielleicht in diesem Moment ob meiner. Bemerkenswert ist meiner Meinung nach Lejeunes Fähigkeit hinter der Beschreibung großer verschiedener Gefühle den Anschluss daran nicht (kaum) zu verlieren, nachvollziehbar zu bleiben. Wenn Sie "Kind im Nebel" lesen, dann bitte so wie Sie Medizin nehmen, die wirken soll: der Reihe nach.

Fazit: sympathisch anmutender Aphorismus ideal für schön verregnete Herbsttage vor dem Kaminfeuer, konsequent anaphorisch

SARAH MARIA LEJEUNE, KIND IM NEBEL, Wiesenburg Verlag 2007, ISBN 978-3-939518-42-6


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