KEIN PAAR WIE WIR

AUTOR: EBERHARD RATHGEB
REZENSION: Kathrin Kuna
Ruth und Vika, zwei Schestern. Ihr Leben lang unzertrennlich. Die Familie war damals nach der Machtergreifung Hitlers nach Argentinien ausgewandert. Die beiden Frauen ergriffen mit 30 Jahren ebenfalls die Flucht und zogen nach New York. Sie wollten vor dem tyrannischen Vater fliehen und begeben sich in eine lebenslange Abhängigkeit von einander. Keine Männer. Keine Kinder. Nur einander wollten sie ihr Leben lang haben und auch gemeinsam sterben.

Der Anfang von diesem Roman, der grundsätzlich eine relativ spannende Geschichte zum Thema hat, ist etwas langatmig. Dann wird die Sprache konzentriert, der Ton allerdings sehr lakonisch.

Der Verlag sagt: "Eberhard Rathgebs erster Roman ist eine Geschichte über die wirklich wichtigen Dinge des Lebens: über Nähe und Liebe, über Treue und Vertrauen, über das Altern und den Abschied. Ruth und Vika sind ein unvergessliches Paar - und das zutiefst berührende Beispiel einer lebenslangen Liebe. " Was heißt Liebe wirklich? Ich maße mir nicht an, eine gültige Antwort auf diese Frage zu kennen, aber denke, dass es ein bißchen verwegen ist, diese pathologische Verschmelzung von zwei Schwestern als Beispiel einer lebenslangen Liebe zu bezeichnen.

Nicht gelebte Möglichkeiten

Die beiden erzählen einander Geschichten aus der gemeinsamen Vergangenheit. Diese ist hauptsächlich eine Geschichte nicht gelebter Möglichkeiten. Zugespitzt in der Geschichte, die Ruth Vika immer wieder gerne erzählt: Auf der 5th Avenue wird sie ein paar Tage nach dem Attentat auf John F. Kennedy von Jackie O. angesprochen, weil sie eine so schöne Frau war. Sie wurde zum Kaffee eingeladen, nahm die Einladung aber nie an. "Ich konnte nicht glauben, dass sie es ernst meinte", sagte Ruth. "Wer war ich, dass ich zur Jackie zum Kaffeetrinken gehen sollte."
Beide Schwestern sind von einer Lebensverneinung und Angst geprägt, in der sie sich gegenseitig bestärken. So endet die Jackie O. - Geschichte mit der Meinung, dass eine die "sich so weit nach vorne wagte, wie die Jackie, wenn eine so viel vom Leben wollte, dann musste sie mit Rückschlägen rechnen."

Später heißt es, dass sie sich nur schwer von dieser Geschichte trennen konnten und es eine Weile dauern würde, bis sie sich einander wieder eine neue Geschichte erzählen könnten. Über die Eltern wollten sie sich nicht unterhalten, sie suchten vergeblich nach einem anderen Thema.

Am Ende hofft man, dass der Titel wahr ist und es kein Paar wie dieses gibt ...

EBERHARD RATHGEB. KEIN PAAR WIE WIR. Hanser Verlag. 2013. ISBN 978-3-446-24131-2


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