DER KALTE

AUTOR: ROBERT SCHINDEL
REZENSION: Wolfgang Kühn
Robert Schindel gehört zu den wichtigsten zeitgenössischen Autoren der Alpenrepublik. Der 1944 in Bad Hall als verstecktes Kind jüdischer Kommunisten geborene Robert Schindel überlebte die Zeit des Nationalsozialismus in Wien, wo er seither lebt und schreibt. Nur zu verständlich, dass sich die eigene Geschichte auch im Werk des Romanautors, Lyrikers, Essayisten und Regisseurs niederschlägt.

Begegnung mit KZ-Aufseher

Nach dem hochgelobten Roman "Gebürtig" aus dem Jahr 1992 erschien 2013 bei Suhrkamp sein zweiter großer Roman mit dem bedeutungsschwangeren Titel "Der Kalte". Das 644 Seiten dicke Opus beleuchtet ein heikles, wenn nicht dunkles Kapitel der österreichischen Nachkriegsgeschichte, die Jahre 1985 bis 1989, jene berühmt berüchtigt gewordene Ära Waldheim. Es geht um die Geschichte des KZ-Überlebenden Edmund Fraul, der bei seinen ziel- und ruhelosen Streifzügen durch Wien dem ehemaligen KZ-Aufseher Wilhelm Rosinger begegnet, dem er in seinem Leben schon mehrmals gegenüberstand. Auf Nebenschauplätzen tobt der Kampf um das Burgtheater und um die Errichtung eines Antifaschismusdenkmals. Dietger Schönn und Herbert Krieglach sind nur unschwer als die Herren Peymann und Hrdlicka auszumachen.

Die fast unüberschaubare Anzahl von auftretenden Personen bedingt, dass der Roman eine gewisse Anlaufzeit erfordert, doch das Ausharren lohnt sich, denn Robert Schindel hat uns mit seinem neuen Roman ein Stück unserer eigenen Geschichte geschenkt und er ruft uns eindrucksvoll und poetisch in Erinnerung, was niemals vergessen und verdrängt werden darf.

ROBERT SCHINDEL. DER KALTE. Suhrkamp Verlag. 2013. ISBN 978-3-518-42355-4


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