FÜR DEN HERRSCHER AUS ÜBERSEE

AUTORin: TERESA PRÄAUER
REZENSION: Kathrin Kuna
Der Opa erzählt den Kindern eine lange Geschichte einer großen Liebe mit einer japanischen Frau. Die Oma stresst das ein bisschen. Die Kinder hören gespannt zu und fiebern mit. Sie verbringen den Sommer bei den Großeltern. Ihre Eltern sind auf Reisen und schreiben regelmäßig Postkarten aus den unterschiedlichsten Ecken der Welt.

Kindliche Phantasie und Naivität treffen auf die weitgehend weise, doch auch etwas sture Betrachtung einer unmöglichen Liebe, die es aber auch niemals möglich sein wird loszulassen. In anderen Rezensionen wurde der Großvater als prahlerisch bezeichnet. Das würde ich in Bezug auf diese Geschichte mit der Japanerin nicht sagen. Da wird er sehr fein. Und Kinderohren sind sehr offen für beides - das Hochstaplerische und das Feine zwischen den hoch gestapelten Zeilen.

Da gibt es nix zu verstehen

Am Ende sind in so einem Fall wohl alle ratlos. Da gibt es nix zu verstehen. Weder für die Kinder in der Erzählung des Großvaters, noch für den selbst. Es ist, was es ist. Am wenigsten kommt die Großmutter damit klar. Aber auch da wird von der Autorin nicht verurteilt. Und eigentlich auch nicht vom Großvater. Die Kinder sind zugleich Auslöser und Dämpfer, in ihrer kindlichen Sorglosigkeit und Neugierde aber nie beschränkt. Wie etwa an dieser Stelle:

Man muss dem Volk geben, wonach es begehrt, sagt der Großvater zum Bruder und mir und stellt nun doch das Frühstück auf den Tisch. Kommt die Großmutter zurück?, fragen wir.
Ich weiß es nicht, antwortet er, aber sie ist noch immer wieder zurückgekommen. O Herr, wir begehren ihre Rückkehr, sagen wir und schlagen mit Messer und Gabel auf den Tisch.
Darum werde ich mich darum kümmern müssen, sagt der Großvater und geht ins Freie.

Stoische Ruhe statt Nonchalance oder Leere.

Wenn es kracht

Die Erzählweise gleicht oft Parallelmontagen in Filmen. Wenn es kracht, dann passiert das in allen drei Mikro-Universen auf einmal. Oder besser gesagt: Gleichzeitig. In der Geschichte der Kinder, in der Geschichte der Großeltern und in der Geschichte des Fliegers und der Fliegerin in der Vergangenheit.

Der Titel ist schon sensationell. Auch den Roman finde ich großartig. Ich verstehe nicht, warum in allen Rezensionen immer so auf das Fliegen eingegangen wird. Es reicht doch, wenn der Großvater davon erzählt und die Kinder davon träumen und daran basteln. Für mich ist dies ein Roman über die Verbindung zwischen der Unendlichkeit eines Sommers in der Kindheit und einer ganzen Familienhistorie. Liebevoll, lustig und so unprätentiös wie sonst keiner seiner Art erzählt wurde. Poetisch. Aufs Wesentliche konzentriert. Und voller Humor.

Völlig zu Recht hat Teresa Präauer für ihr Debüt, das im Wallstein Verlag erschien, den aspekte Literaturpreis erhalten. Wir dürfen uns den Namen merken und gespannt auf das nächste Buch warten.


TERESA PRÄAUER. FÜR DEN HERRSCHER AUS ÜBERSEE. Wallstein Verlag. Göttingen 2012. ISBN 978-3-8353-1092-6


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