DAS VERMÄCHTNIS DER GÖTTINNEN

AUTORIN: KATEŘINA TUČKOVÁ
REZENSION: Wolfgang Kühn
Beim Durchblättern der Verlagsvorschauen 2017 ist mir der Titel dieses Buches erstmals ins Auge gestochen. Die Autorin desselbigen, Kateřina Tučková, hatte ich schon längere Zeit, wie man so schön sagt, am Radar. Der Zufall wollte es, dass dieses Buch just an jenem Tag auf der Buch.Wien vorgestellt wurde, an dem ich auch vor Ort war.

Ich war zutiefst beeindruckt, sowohl was den Inhalt des Buches betraf, als auch vom Gespräch, das mit der 1980 geborenen Autorin geführt wurde, die hier ein faszinierendes Kapitel mährisch-slowakischer Volkskultur dem Vergessen entrissen und ins tschechische Bewusstsein gezaubert hatte. Das Buch hat sich in Tschechien mehr als 100.000 Mal verkauft, ein paar Tage nach der Buchmesse lag es in meinem Briefkasten, ungefähr ein Monat später begann ich zu lesen und konnte den knapp über 400 Seiten dicken Roman nicht mehr aus den Händen legen.

Das Buch wäre schon faszinierend gewesen, wäre es bloße Fiktion gewesen, aber dass es auf realen Tatsachen beruhte, die von der Autorin bloß namentlich aus Rücksicht auf die involvierten Personen geändert wurde, macht das Buch schier unglaublich. Der Ort des Geschehens, die Weißen Karpaten im Grenzgebiet zwischen Tschechien und der Slowakei, liegt bloß eine Autostunde von der österreichischen Staatsgrenze entfernt.

Tante Surmena

Protagonistin des Buches ist die Forscherin und Ethnologin Dora Idesová, die als Achtjährige gemeinsam mit ihrem fünfjährigen, geistig und körperlich behinderten Bruder Jakub nach dem gewaltsamen Tod ihrer Mutter in die Obhut von Tante Surmena gekommen war. Surmena gilt als die letzte einer jahrhundertelangen Tradition von Göttinnen mit magischen Heilkräften und der Fähigkeit, die Zukunft vorherzusehen.

Als Dora fünfzehn ist, wird Surmena aus unerfindlichen Gründen verhaftet, in weiterer Folge in die Psychiatrie eingeliefert, wo sie schließlich auch stirbt. Dora wird von ihrem Bruder getrennt und landet im Internat, wo sie aufs unerträglichste schikaniert wird. Erst nach der Internatszeit kann sie ihren Bruder und ihre mittlerweile schwerkranke Tante wieder ausfindig machen.

Dora beginnt sich mit dem Schicksal der Göttinnen auseinanderzusetzen, das sie zu ihrer Diplomarbeit verarbeitet. Viele Jahre später, nachdem im Zuge der Wende viele Akten und Archive zugänglich gemacht wurden, greift sie dieses Thema wieder auf und dringt immer tiefer auch in die eigene, rätselhafte Familiengeschichte, in der sich auch Verstrickungen mit dem NS-Regime wie Abgründe auftun ...

KATEŘINA TUČKOVÁ. DAS VERMÄCHTNIS DER GÖTTIINNEN. DVA. 201. ISBN 9-783421-046307


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