FRÜHLING DER BARBAREN

AUTOR: JONAS LÜSCHER
REZENSION: Markus Köhle
Preising ist Schweizer Fabrikserbe und so edel und gesichert sein Stand, so distinguiert, reich und gliedsatzverspielt ist seine Sprache. Preising erzählt seine unerhörte, empörende Geschichte einem namenlosen Ich, das geduldig zuhört und Gehörtes nur gelegentlich nicht minder sprachgewandt kommentiert. Wo sich die zwei befinden, bleibt unklar. Man ist geneigt, an Robert Walser zu denken, das Erzählte freilich ist hochaktuell und an Brisanz nicht zu überbieten.

Preising gerät in einem tunesischen Luxushotelreservat in eine Hochzeitsgesellschaft, die aus Mitgliedern der Londoner Finanzwelt besteht. Die schicken Damen und Herren feiern anfänglich ausgelassen fröhlich, kriegen dann aber aus der Ferne den Bankrott Englands mit und verlieren daraufhin nicht nur ihre Jobs, Kreditkartenwürdigkeit und Telekommunikationsverbindungen, sondern auch ihre Skrupel und Nerven. Worauf es zu schauderhaften Szenen kommt, die in dieser geschliffenen Sprache geschildert, funkeln wie Blutdiamanten. Es jagt einem Schauer über den Rücken und man kommt gleichzeitig nicht umhin, entzückt zu sein, so sehr umspült einen Lüschers Sprachstrom. Kurz, konzise, präzise, prima!


JONAS LÜSCHER. FRÜHLING DER BARBAREN. C.H. Beck. 2013. ISBN 978-3-406-64694-2


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