GEHT'S DIR GUT?
GEHT'S DIR EH GUT?

AUTORIN: BARBARA RIEGER
REZENSION: Markus Köhle
Der Debüt-Roman von Barbara Rieger "Bis ans Ende, Marie" packt ordentlich zu. Schon die ersten Sätze zeigen auf, was Sache ist und machen Lust auf mehr. Die Ich-Erzählerin stammt aus gutem Hause und sollte Medizin studieren. So wie Alexander, der Freund, der zum Zeitpunkt der Erzählung allerdings bereits der Ex-Freund ist. Die Eltern aber halten den Kontakt zum Wunschschwiegersohn aufrecht. Die Eltern: eine schwierige Geschichte. Der Vater (Arzt) hat immer das passende Medikament zur Hand. Die Mutter hat immer etwas auszusetzen. "Die Mutter schlägt mir gekonnt ins Gesicht. Der Vater räuspert sich, er empfiehlt mir bestimmte Tabletten." Und das Ich hat (nicht nur) ein Problem. Das Ich wohnt in Omas Wohnung in der Stadt und studiert (bloß) Psychologie (Vorlesung: Ausgewählte Einzelstörungen). Ob Freud helfen kann? Marie kann helfen.

Marie ist ihre Mitbewohnerin. Das Ich und Marie: eine Hassliebe. Marie kann all das, womit sich das Ich schwer tut. Marie trinkt ungeniert, reißt sich die Männer nach Lust und Laune auf und lässt keine Probleme an sich ran. Marie schluckt Speck und Schnitzel. Das Ich isst kein Fleisch und hat Blutphobie. Marie kellnert, Marie tanzt ("Als Einzige. Als Erste."), Marie kennt die Gebräuche am Land. Marie lebt in vollen Zügen, geniert sich für nichts und versucht ihr Lebensmotto auch auf das Ich zu übertragen. Marie ist begehrt, das Ich ist ... geheimnisvoll. Nein, der ganze Text ist geheimnisvoll und erotisch aufgeladen.

Der Text reißt einen hin und her. Das Ich kollabiert gern. Der Text fängt sie auf. Die Textstruktur hält. Die Phantasie lässt die Ich-Erzählerin gern entgleiten (mitunter in Horrorvisionen). Das Ich denkt gern drastisch und lässt Wirklichkeit und Vorstellung gekonnt verschwimmen. Die Sprache bleibt dabei immer kurz und prägnant. Gedanklich wird ausgeufert - sprachlich bleibt alles präzise. Das verleiht dem Text Spannung und Dramatik und man ist gewillt, der Erzählerin alles zu glauben. Der Text knistert, Angst und Lust geben sich die Hand. Und am Ende wird auch eine reale Hand da sein, an der sich das Ich festhalten kann. Aber bis dahin ist eine Menge durchzustehen. Eine aufregende und erregende Lektüre. Ein fesselndes und bestechendes Debüt.

BARBARA RIEGER. BIS ANS ENDE, MARIE. Kremayr & Scheriau. 2018. ISBN 978-3-218-01120-4


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