DER AUFBLASBARE KAISER

AUTOR: MICHAEL ZIEGELWAGNER
Rezension von Wolfgang Kühn
Wieder ein beeindruckendes Romandebüt aus Niederösterreich. Der 1983 in St. Pölten geborene Michael Ziegelwagner sorgt derzeit mit seinem 2014 bei Rowohlt Berlin (!) erschienenen Roman "Der aufblasbare Kaiser" für angenehmes Rauschen im Blätterwald.

Der in Wien und Frankfurt lebende Redakteur des Satiremagazins "Titanic" führt uns anhand seiner Protagonistin Vera Bleacher (nicht englisch auszusprechen!) in bizarre Monarchieträume des Jahres 2011. Der Roman setzt kurz vor dem Tod von Otto von Habsburg ein, dem ältesten Sohn des letzten Kaisers von Österreich. Vera Bleacher rutscht in der Badewanne aus, verstaucht sich den Fuß. Ihr Leben ist abgesehen von diesem Malheur nicht sonderlich aufregend. Ihre Beziehung zu einem gewissen Robert kann nur mit viel Phantasie als solche bezeichnet werden, ihr Bürozimmer muss sie mit einem Arbeitskollegen, den sie liebevoll "Trottel" nennt, teilen und von ihrer besten Freundin Zecki wird sie dazu auserkoren, für deren Hochzeit den Polterabend mit einer Handvoll eingebildeter Großstadtzicken zu organisieren. In ihrer Perspektivenlosigkeit wünscht sie sich "letzter Zipfel von etwas Absterbendem" zu sein.
Eher zufällig gerät sie in den "Legitimistischen Club", ein Grüppchen verschrobener, zumeist älterer Herren, die sich Otto Habsburg-Lothringen als Kaiser und das Neuaufleben der Monarchie erträumen.

Äußerst vergnüglich

Der Roman ist nicht von übermäßig großer Handlung geprägt, dafür gelingen die Beschreibung der einzelnen Charaktere und deren Beweggründe hervorragend, man sieht den Film gleichsam vor sich ablaufen.
Mit viel Sprachwitz schafft der Autor einen Roman, der sich äußerst vergnüglich liest und den man nur ungern aus der Hand legt.


MICHAEL ZIEGELWAGNER. DER AUFBLASBARE KAISER. Rowohlt Berlin. 2014. ISBN 978-3-87134-767-2


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