DUM NR. 81

THEMA: BLUT - Von Biss bis Gruppe
Mit: Anna Lena Obermoser - Interview * Martin Peichl * Ingeborg Schmid-Mummert * Konstantin Teske * Daniela Dangl * Eckholz * Traude Veran * Anna Maschik * Angela Flam * Gerhard Dick * Tanja Paar * Gerhard Benigni * Isabella Breier * Michael Longerich * blume (michael johann bauer) * Kirstin Schwab * Florian Supé * Katharina Brunner * ChristiAna Pucher * Gregor Maria Baumgartner * Günter Kowatschek * Sanja Abramović * Sonja Tobl * Harald Jöllinger * Angelika Polak-Pollhammer * Der Wortvertreter

Rezensionen: Karin Peschka - FanniPold * Reinhard Kaiser-Mühlecker - Fremde Seele, dunkler Wald

Preis: EUR 3,30.- (EUR 5.- außerhalb Österreichs)
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DUM-Interview: "WENN ICH GROSS BIN, WILL ICH EIN HAUSBOOT" mit Anna-Lena Obermoser


Leseproben aus DUM 81:

HEIMAT IST DORT
(Martin Peichl)

Heimat ist dort,
wo man in Geschenkpapier eingewickelt
zerrissene und zerfranste Gefühle mit sich rumschleppt.
Erinnerungsfetzen an die eigene Kindheit.

Heimat ist dort,
wo der Kopf ungefragt ein Fotoalbum aufschlägt
und du stehst auf einmal in der Einfahrt
und wartest auf den Bus, der dich in den Kindergarten bringt,
oder schaukelst, ganz hoch und springst
so hoch und weit, dass du fast im Zwetschkenbaum landest.

Heimat ist dort, wo der Dialekt nah und frisch klingt,
wo sich die Wörter wie Toastkäse auf deine Zunge legen,
wo Gulasch ein Ersatz ist für Liebe,
aber Liebe kein Ersatz für Gulasch.

Heimat ist ein Kreisverkehr - du nimmst immer die gleiche Ausfahrt.

Heimat ist dort,
wo du jahrelang Sheriff warst
oder als Zorro mit den Indianern um die Wette gepinkelt hast.
Einzige Regel: Der dickste Strahl gewinnt.

Heimat ist dort,
wo man dir mit LEGO beigebracht hat,
wie leicht man Menschen zerlegen kann
und sie trotzdem weiterlächeln.
Dieses unheimliche Weiterlächeln der LEGO-Figuren,
egal wohin man ihre Köpfe steckt!
...



FARBE BEKENNEN
(Isabella Breier)

im Umfeld
eine zahm ausgerupfte Rose
oder zwei
drei

Rosen
keine Metapher
schwöre

zähle
mögliche Dornen
mit Kuppen

nur wenn ein Blutstropfen folgt
der was echt Wildes sagt
gilt der Stachel

im Zweifel
hör
Blütenblätter
fröhlich Formen zupfen



BLUTORANGEN FÜR EIN GESPALTENES LAND ODER EINE SEZESSION IN ROT-WEISS-ROT
(Gerhard Benigni)

Warnung: Bei den nachgestellten Zeilen handelt es sich um keine menstruierte Geschichte, sondern um eine experimentelle Bluttransfusion auf sprachlichem Niveau. Wer kein Blut hören kann, belasse es im Stillen. Ich werde mir in diesem Text mit Sicherheit kein Blutplättchen vor den Mund nehmen.

Ich sehe rot. Schon wieder so ein Bloody Monday. Sei's drum. Blaumachen geht nicht. Ich bin schließlich nicht adelig. Von wegen blaues Blut. Gesundes Zarenfleisch blutet nicht. Aber wozu sollte ich mit meinem Schicksal adern? So ein gepolsterter Thron schützt doch keineswegs verlässlich vor Hämorrhoiden. Nicht, dass ich welche hätte. Und wenn, würde ich wohl nicht darüber schreiben. Dann säße der Humor bei mir bestimmt nicht so locker. Reibungspunkte. Der mit dem Wolf schreibt. Nicht auszudenken. Wie? Das ist ein Tabuthema. Es kann nicht immer alles Scheitel Sonne sein. Aber meinetwegen. Versprochen. Kein Wort mehr über solch intime Analitäten. Da mache ich kurzes Abszess. Punktum. Rektum. Ich bin doch kein Arsch. Jetzt nur keinen Shitstorm, bitte. Weil vorgewarnt habe ich Sie, ga... ga? Ich werde mich bemühen, alles Weitere in geordnete Blutbahnen zu lenken.
...



VAMPIRE VON HEUTE
(Kirstin Schwab)

die Sauger
die Fresser
Frager Woller Könner

beißt mir doch
den Buckel herunter
eure Schatten
sind in mir
gelöscht



DER WIRBEL VOR DEM STURM
(Günter Kowatschek)

Die Zeit ist eine Künstlerin, eine Malerin, die Gemälde schafft, die sie in einen Rahmen fasst, aus dem es kein Entrinnen gibt. Die Welt ist ihr stetig wachsender und wechselnder Zyklus. Was die Zeit kreiert, kann der Mensch nicht zerstören.

Dieses Gemälde hier zeigt einen blauen Himmel, im Hintergrund angedeutet eine Wolkenfront, die manche Menschen als bedrohlich bezeichnen. Nicht alle Menschen, denn mit dem Wetter ist es ja wie mit dem Tod. Es ist unabwendbar, wo es katastrophal auf das Individuum und sein Umfeld wirkt, macht es betroffen. Wo der Tod fern ist, regt Mitleid sich überschaubar, so lange die Sonne scheint herrscht gute Laune.

Im Garten von Inge und Hans Meidlinger geschäftig gute Laune. Jener Zustand, in dem sich Paare anlächeln, zusammenhalten, alles Notwendige und Übertriebene für den Besuch von Gästen vorbereiten. Am Vormittag mäht Hans den Rasen, Inge kauft Lebensmittel und Getränke ein. Zu Mittag bereitet sie einen Salat vor, rührt danach den Teig ein für eine Biskuit-Roulade. Hans beizt das Fleisch nach den Vorschlägen von Webers Grill-Bibel, holt dann die Biergarnitur aus dem Keller, stellt sie auf die Terrasse. Während das Biskuit im Backrohr bäckt, dekoriert Inge den Tisch mit Kerzen und Wiesenblumen, legt Servietten auf, trägt das Kaffeegeschirr nach draußen, das vom guten Service. Hans schüttet Holzkohle in den Anzündkamin und heizt sie an. Inge bereitet derweil die Erdbeercreme für die Roulade vor, schneidet Erdbeeren klein, hebt diese unter. Routiniert bereiten sich die Meidlingers auf den Besuch ihrer Freunde vor, ohne Worte, außer mal ein "Bitte!" da, ein "Danke!" dort. Das Reden war vorbei, jetzt wurde gehandelt - die Vorbereitung ist kein Stillleben, die Dinge sind in Bewegung.
...



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