DUM NR. 43

THEMA: BOBO
Mit: Thomas Ballhausen - Interview * Peter Landerl * Isabella Breier * Christian Schreibmüller * Ernst Karner * Ivar Bahn * Thomas M. Specht * Karin Seidner * Johannes Witek * Aranka Skarba * Ondrej Cikan * Thomas Miltmann * Christian Zelger * Rainer Hawlik * Diana Köhle * Stefan Abermann * René Bauer * Mieze Medusa * Jimi Lend * Martin Fritz * Andi Pianka * Nadja Bucher * Karsten Rühl * Markus Köhle

Rezensionen: Xaver Bayer - Weiter * Markus Knack - Riesenradschlag * Mieze Medusa & Markus Köhle - Sprechknoten * Angelika Reitzer - Taghelle Gegend

Außerdem: El Awadalla * Zita Bereuter * Martin Prinz * Klaus Zeyringer (Bobo-Statements)

Preis: EUR 3,30.-
Förder-Abo (4 Ausgaben): EUR 13.-
Bestellung: Online, per E-Mail (dummail@gmx.at) oder unter 0664 / 4327973.


Leseproben aus DUM 43:

GRANDSEIGNEUR
(Christian Schreibmüller)

1) Allein sein Mantel: Ein Gedicht!
Fast liebend floss er um die Schultern.
Und sein Hut erst gar, sein Schal!
Der Herr bewahre uns vor derlei
hypertropher Art Original!
Sein kultivierter Bauchansatz:
Ein Muster für die Modeärzte.
Auch sein Alter: Genial!

Er war hervorragend besetzt
als "reifer Künstler aus Paris".
Kein Wunder - schließlich war er dies ...
Auf Parties in den Residenzen
tönten sehr gepflegt nasal
gemeckerte französische Sequenzen
aus der Menschentraube, die
um ihn versammelt war: "Grand Crue!"

Er lachte es beinah' heraus,
mit Ansatz von Theaterlachen,
connaisseur und rien ne va plus!
Vielleicht noch etwas von Boheme.
Mir etwas mehr davon zu merken
reichte mein Französisch nie.
Und ging's um seine Bauchpartie,
vernahm man was von creme de la creme.


DEM WIND NACH
(Mieze Medusa)

Ich bin geladen zur Präsentation eines neuen Magazins für Segelsport. WINDWARDS, kein ganz mieser Titel für einen SciFi-Seller über sonnenwindereitende Piraten, ein ganz beschissener Name für ein Segelmagazin. Der Name ist von mir. Die Kreativleitung hatte davor "Steife Brise" und "Fön&Luft" unkommentiert abgelehnt. "Windwissen" hab ich gar nicht mehr vorgeschlagen. Meine freischaffenden grauen Knoten haben noch "Wassertaufe" und "echolot" über den körpereigenen Binnensee geweht. Auf WINDWARDS konnten wir uns dann einigen. Jetzt jedenfalls Launchfestl mit erstaunlich großem Büffet für ein Segelmagazin in einem Land, das seinen Meerzugang schon vor langer Zeit beim aristokratischen Poker verloren hat.

Ich lege Dieselkleid, Killahturnschuhstiefel und das Armband an. Die bunten Dreads winde ich zu einem Turban, ein Zugeständnis an meine Auftraggeber und an die Julihitze. Der Abend verspricht satt zu machen mit Seelachs, Pinguinfilets und Tangtrüffel. Das hebt meine Laune und ich stecke übermütig eine Plastiknixe in meinen Haarturban. Leider ist nicht mit Stromausfall oder Sicherungsdurchbrand zu rechnen: Die Nixe würde im Dunkeln glänzen und fluoreszieren.
Was ich besitze: jede Menge Tand und Plunder.



KEIN GOTT KEIN STAAT KEINE ARBEIT KEIN GELD KEIN GUSENBAUER ETC
(Martin Fritz)

unsere liebsten kneipen sind die wo immer ganze alben gespielt werden bei spanish bombs wissen wir dass wir beim nächsten song aufstehen und aufs klo gehen können unsere aller liebsten kneipen sind die wo immer the arcade fire gespielt werden unsere aller aller liebsten kneipen sind die wo immer die richtige musik gespielt wird wenn wir uns küssen läuft dazu immer erlesene schottische popmusik wenn wir uns küssen läuft dazu immer erlesene popmusik aus kanada wenn wir uns küssen läuft dazu immer erlesene popmusik aus omaha nie läuft musik aus weilheim wenn wir uns küssen musik aus weilheim hören wir überhaupt keine mehr musik aus köln musik aus hamburg musik aus klagenfurt abends gehen wir immer in die kneipen am liebsten sind uns die kneipen wo sie ganze alben spielen dann wissen wir immer wann wir aufs klo gehen können ohne was zu versäumen am allerliebsten sind uns die kneipen wo sie immer die selben ganzen alben spielen dann wissen wir immer für den ganzen abend im voraus wann wir aufs klo gehen können ohne was zu versäumen am aller allerliebsten sind uns die kneipen wo sie gar keine musik spielen da können wir nie etwas versäumen …


BOBOPEDIA
(Andi Pianka)

der gemeine BOBO (BOBO sapiens vulgaris) ist eine unterordnung der ordnung der primaten und gliedert sich seinerseits in fünf familien:

1.) BOrschtschBOlschewiken: zeitgeistlinke (am liebsten einer trotzkistischen kleinsekte angehörig), die zwar BOuillonBOwle predigen, aber selber aus BOdegaBOttichen trinken. können sogar beim sex an nichts anderes als an die weltrevolution denken.

2.) BOnsaiBOtaniker: ökofundis, gern auch zeitgeistvegetarier, wahre BOykottBOllwerke gegenüber jeglichen produkten, die fleisch beinhalten und/oder nicht bio sind. auf den diversen straßen als unermüdliche BOhnenBOtschafter unterwegs.

3.) BOutiqueBOsse: zeitgeistkapitalisten, geizen nicht mit ihrer vorliebe für luxuriöse outfits, träumen insgeheim von karrieren als BOeingBOnzen und besitzer vieler BOjenBOote. fahren selbst die kürzesten strecken mit dem auto.



DIE DIE DIE
(Nadja Bucher)

die, die sind so cool
und die, die sind so style
und die, die trifft man nicht überall
nur überall im Bezirk 2 - 9.

die, die haben Erkennungszeichen
Schuhe, Tasche, Hose, Shirt, Rock, Kleid, Brille
und die, die haben Laptop, Handy, Palm
alles dezent, nicht am Auto auf dem Dach
oder im Restaurant am Tisch
oder gar am Gürtel befestigt.
Nein unauffällig, denn die, die erkennen sich.

die sagen nicht wir, wir, wir
die sagen ich oder du,
denn die, die sind individuell wie der Rest der Welt.
Deshalb tragen die ja diese
Schuhe, Tasche, Hose, Shirt, Rock, Kleid, Brille
und treffen sich im Bezirk 2 - 9
und haben Laptop, Handy, Palm.

und machen coole Sachen wie
Café Macciato, Asiasalat, Zitronengras, Film, Musik, Grafik, Kinder.
Kinder, die die auch schon erkennen an
Schuhe, Haube, Brille, Hose, Spielzeug, Kinderwagen.


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